Der Tod von Katharine Wolff hat viele von uns tief berührt. Sie war Lehrerin im CAS Type Design, deren Begeisterung für Kalligraphie stets spürbar war. Als Amerikanerin brachte sie eine besondere Faszination für historische Schriftvorbilder mit.
Im Unterricht spielte Kalligraphie eine zentrale Rolle. Die Arbeit mit Feder und Tinte war für sie kein vorbereitender Umweg, sondern der Kern des Lernens. Ihr ging es darum, historische Formen möglichst genau zu verstehen und ihnen treu zu bleiben. Die Übungen waren präzise, anspruchsvoll und von grossem Respekt gegenüber den Vorbildern geprägt.
«Precision is not nostalgia.»
Ihre Faszination für alte Manuskripte, für Proportionen und Bewegungsabläufe war ansteckend. Geschichte war für sie kein loses Referenzmaterial, sondern ein Massstab.
«History is a tool, not a destination.»
Am Ende blieb zwischen uns dennoch eine grundlegende Differenz. Während für Katharine die Nähe zu den historischen Vorbildern kaum gross genug sein konnte, war ich der Auffassung, dass Schriften stärker aus den Anforderungen der Gegenwart heraus gedacht werden müssen. Und das ist wichtig. Kalligraphie kann dabei eine Inspirationsquelle sein, sie muss es aber nicht. Gerade diese nicht ganz auflösbare Spannung habe ich stets als bereichernd empfunden.
Ein konkretes Beispiel dafür ist die Schriftfamilie Mimix, die im CAS Type Design im Prozess und im Dialog mit Katharine Wolff entstanden ist. Ausgangspunkt war eine klassizistische Kursive. Der Entwurf zeigt einen modularen Aufbau, sich wiederholende Elemente, Ordnung und Rhythmus. Eigenschaften, die weniger aus historischer Treue als aus systematischem Denken entstehen und die Schrift in der Gegenwart verankern.